Posts mit dem Label Gesetze werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gesetze werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 17. April 2020

Kurioser Gesetzesmythos aus Michigan: Was gilt wirklich in Clawson?

Nein: In Clawson, Michigan, dürfen Bauern nicht aufgrund einer Sonderregel sexuelle Handlungen mit Tieren vornehmen. Das Recht des Bundesstaates Michigan verbietet Bestialität ausdrücklich – ohne Ausnahme für Landwirte.

Hintergrund: Die Behauptung, in der Kleinstadt Clawson im US-Bundesstaat Michigan dürften ausgerechnet Bauern sexuelle Handlungen mit Tieren vornehmen, taucht seit Jahren auf Listen mit angeblich absurden US-Gesetzen auf. Eine entsprechende Sonderregel für Landwirte gibt es jedoch nicht.

Das Strafgesetz des Bundesstaates Michigan ist eindeutig: Nach Section 750.158 macht sich strafbar, wer sexuelle Handlungen der dort beschriebenen Art mit einem Tier vornimmt. Das Gesetz spricht ausdrücklich von „any person“ – also jeder Person – und enthält keine Ausnahme für Bauern oder andere Berufsgruppen.

Der Verstoss ist als Straftat eingestuft und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren geahndet werden. Die bekannte Geschichte aus Clawson ist damit ein weiteres Beispiel für ein kurioses angebliches US-Gesetz, das sich bei einem Blick in die tatsächlichen Rechtsvorschriften nicht bestätigt.

Quelle:
Michigan Legislature – Michigan Penal Code, Section 750.158
https://www.legislature.mi.gov/documents/mcl/pdf/mcl-328-1931-XXV.pdf

Freitag, 19. April 2019

Darf man in England betrunken Fahrrad fahren oder reiten?

Nein: In England kann sowohl betrunkenes Fahrradfahren als auch betrunkenes Reiten strafbar sein.

Hintergrund: Die Behauptung, betrunkenes Fahrradfahren sei in England legal, betrunkenes Reiten aber verboten, stimmt so nicht.

Nach Section 30 des britischen Road Traffic Act 1988 macht sich strafbar, wer auf einer Strasse oder an einem anderen öffentlichen Ort Fahrrad fährt und durch Alkohol oder Drogen so beeinträchtigt ist, dass er das Fahrrad nicht mehr richtig kontrollieren kann.

Auch für Pferde gibt es tatsächlich eine alte gesetzliche Regelung. Section 12 des Licensing Act 1872 stellt es unter Strafe, auf einer öffentlichen Strasse oder an einem öffentlichen Ort betrunken die Kontrolle über ein Pferd zu haben.

Der kuriose Teil der Geschichte stimmt also nur zur Hälfte: Betrunken auf einem Pferd unterwegs zu sein, kann tatsächlich strafbar sein – betrunken Fahrrad zu fahren ist aber keineswegs generell erlaubt.

Quellen:
UK Legislation – Road Traffic Act 1988, Section 30
https://www.legislation.gov.uk/ukpga/1988/52/section/30

Mittwoch, 26. August 2015

Gibt es in Topsail Beach wirklich ein Gesetz gegen Tornados?

In Topsail Beach, North Carolina, gibt es kein Gesetz, das Tornados das Überschreiten der Stadtgrenze verbietet. Die Behauptung gehört zu den vielen kuriosen US-Gesetzesmythen.

Hintergrund: Die Geschichte klingt genau nach einem typisch absurden US-Gesetz: In Topsail Beach in North Carolina soll Tornados angeblich verboten sein, die Stadtgrenze zu überschreiten. Im offiziellen Gesetzbuch der Stadt findet sich dafür jedoch keine entsprechende Vorschrift.

Tatsächlich beschäftigt sich Topsail Beach durchaus intensiv mit Naturgefahren. Als Küstenort ist die Gemeinde unter anderem von Hurrikans, Überschwemmungen, Sturmfluten und auch Tornados beziehungsweise Wasserhosen betroffen. Die örtlichen Vorschriften regeln deshalb beispielsweise den Katastrophenschutz, Bauvorschriften und den Umgang mit gefährlichen Wetterereignissen.

Ein Verbot, das sich direkt an Tornados richtet, gibt es aber nicht. Die Geschichte ist damit ein weiteres Beispiel für angeblich skurrile amerikanische Gesetze, die im Internet immer wieder weitergegeben werden, obwohl sich dafür keine belastbare Rechtsgrundlage finden lässt.

Quelle: Town of Topsail Beach – Code of Ordinances
https://topsailbeachnc.gov/Government/Ordinances

Dienstag, 25. August 2015

Ist es wirklich verboten, im britischen Parlament zu sterben?

Entgegen einem weit verbreiteten Gerücht ist es britischen Abgeordneten nicht gesetzlich verboten, im Parlament zu sterben.

Hintergrund: Die Behauptung, dass es in Grossbritannien verboten sei, im Parlament zu sterben, gehört zu den bekanntesten Geschichten über angeblich skurrile britische Gesetze. Sie wird seit Jahren in Büchern, Medien und im Internet weitergegeben – ein entsprechendes Gesetz gibt es allerdings nicht.

Auch die britische Law Commission hat sich mit solchen vermeintlich absurden Gesetzen beschäftigt und die Geschichte als Rechtsmythos eingeordnet. Tatsächlich sind im Palace of Westminster im Laufe der Geschichte bereits Menschen gestorben, ohne dass dies irgendeinen Gesetzesverstoss dargestellt hätte.

Der Fall zeigt gut, warum sich kuriose Gesetzesgeschichten so hartnäckig halten: Sie klingen gerade ungewöhnlich genug, um weitererzählt zu werden, gleichzeitig aber noch plausibel genug, dass sie selten überprüft werden.

Quelle:
University of Bristol Law School – „Mince pies, Parliament and Peculiar Old Laws: The enduring popularity of legal myths“

Donnerstag, 26. März 2015

Kurioses Gesetz in Greene, New York: Erdnüsse und Rückwärtslaufen verboten?

Ein verbreiteter kurioser Gesetzesmythos besagt, dass man in Greene, New York, während eines Konzerts nicht rückwärts laufen und dabei Erdnüsse essen darf.

Hintergrund: Diese ungewöhnliche Regel wird seit vielen Jahren in Sammlungen kurioser amerikanischer Gesetze verbreitet. Demnach soll es in Greene im US-Bundesstaat New York verboten sein, während eines Konzerts rückwärts über den Gehweg zu laufen und dabei Erdnüsse zu essen.

Im heute veröffentlichten Gesetzbuch der Gemeinde Greene lässt sich eine solche Vorschrift allerdings nicht finden. Dort gibt es zwar unter anderem Regeln zu öffentlichen Veranstaltungen, Lärm und der Nutzung öffentlicher Räume, von Erdnüssen oder rückwärts laufenden Konzertbesuchern ist jedoch keine Rede.

Ob eine entsprechende Vorschrift früher tatsächlich einmal existierte oder die Geschichte lediglich als kurioser „Crazy Law“-Mythos entstanden ist, lässt sich nicht zuverlässig belegen. Der Fakt sollte deshalb eher als weit verbreitete Anekdote über angeblich skurrile US-Gesetze verstanden werden.

Quelle:
Code of the Village of Greene, New York

Mittwoch, 25. März 2015

Darf man in Alabama mit falschem Schnurrbart in die Kirche?

Ein verbreiteter Internetmythos behauptet, dass man in Alabama keinen falschen Schnurrbart im Gottesdienst tragen darf, wenn dieser andere zum Lachen bringt.

Hintergrund: Dieses angebliche Gesetz aus Alabama gehört zu den kuriosesten Regeln, die seit Jahren im Internet verbreitet werden. Demnach soll es verboten sein, während eines Gottesdienstes einen falschen Schnurrbart zu tragen, wenn dieser andere Besucher zum Lachen bringt.

Das Problem: Für ein solches Gesetz lässt sich kein entsprechender Eintrag im Gesetzbuch von Alabama finden. Die Geschichte gilt deshalb heute als Internetmythos. Tatsächlich gibt es in Alabama zwar Vorschriften gegen die Störung von öffentlichen Versammlungen – darunter können grundsätzlich auch Gottesdienste fallen –, ein falscher Schnurrbart wird darin aber nicht erwähnt.

Woher die Geschichte ursprünglich stammt, ist unklar. Vermutlich wurde eine echte Regel gegen die Störung von Versammlungen irgendwann ausgeschmückt und entwickelte sich so zu einem der bekanntesten angeblich absurden Gesetze der USA.

Quelle:
LegalClarity – Is It Illegal to Wear a Fake Mustache in Alabama?

Dienstag, 24. März 2015

Warum Suizidversuche in England bis 1961 strafbar waren

In England und Wales war versuchter Suizid bis 1961 strafbar.

Hintergrund: Bis 1961 galt ein Suizidversuch in England und Wales tatsächlich als Straftat. Wer einen Versuch überlebte, konnte deshalb vor Gericht gestellt werden. In den 1950er-Jahren wurden Betroffene beispielsweise zu Bewährungsstrafen, Geldstrafen oder in einzelnen Fällen zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Aus Parlamentsunterlagen geht hervor, dass zwischen 1952 und 1956 insgesamt 2.922 Personen wegen eines Suizidversuchs verurteilt wurden. Die grosse Mehrheit erhielt eine Bewährungsstrafe oder wurde bedingt beziehungsweise ohne weitere Strafe entlassen. Bei den Personen, die ins Gefängnis kamen, betrug die durchschnittliche Haftdauer 3,9 Monate.

Erst mit dem Suicide Act von 1961 wurde die entsprechende Regelung abgeschafft. Seitdem sind Suizid und Suizidversuche in England und Wales keine Straftaten mehr.

Quelle:
UK Parliament – Attempted Suicide (Convictions), 13 February 1958