Posts mit dem Label Tiere und Pflanzen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tiere und Pflanzen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 3. Mai 2025

Was ist das grösste Landsäugetier Europas? Der beeindruckende Wisent

Der Wisent, auch Europäischer Bison genannt, ist das grösste und schwerste Landsäugetier Europas. Freilebende männliche Wisente können ein Gewicht von bis zu 840 Kilogramm erreichen.

Hintergrund: Der Wisent (Bison bonasus) ist das grösste Landsäugetier Europas und gehört zur Familie der Hornträger. Ausgewachsene männliche Tiere können bis zu 840 Kilogramm schwer werden. Damit zählen sie zu den imposantesten Wildtieren des europäischen Kontinents.

Wisente ähneln den amerikanischen Bisons, sind jedoch etwas schlanker und hochbeiniger gebaut. Sie leben bevorzugt in abwechslungsreichen Landschaften mit Wäldern, Lichtungen und offenen Grasflächen, wo sie sich hauptsächlich von Gräsern, Kräutern und anderen Pflanzen ernähren.

Früher waren Wisente in weiten Teilen Europas verbreitet. Durch intensive Bejagung und die Zerstörung ihrer Lebensräume wurden sie jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts in freier Wildbahn vollständig ausgerottet. Nur wenige Tiere überlebten in Zoos und privaten Tiergehegen.

Dank internationaler Zucht- und Wiederansiedlungsprogramme gelang es, die Art vor dem endgültigen Aussterben zu bewahren. Heute leben wieder freilebende Wisente in verschiedenen europäischen Ländern, insbesondere in Polen, Belarus und weiteren osteuropäischen Staaten. Auch in Deutschland wurden Wisente wieder ausgewildert.

Ein besonders bedeutender Lebensraum ist der Białowieża-Wald an der polnisch-belarussischen Grenze. Dort befindet sich eine der wichtigsten Wisentpopulationen Europas.

Trotz der erfolgreichen Wiederansiedlung bleibt der langfristige Schutz der Tiere wichtig. Kleine, voneinander isolierte Populationen und Konflikte mit der Landwirtschaft stellen weiterhin Herausforderungen dar.

Quelle:
Haidt et al. (2018) – Human and the beast: Flight and aggressive responses of European bison to human disturbance
Fachzeitschrift PLOS ONE

Samstag, 26. April 2025

Yasuní-Nationalpark: Warum ist dieser Regenwald einer der artenreichsten Orte der Welt?

Der Yasuní-Nationalpark in Ecuador gehört zu den artenreichsten Regionen der Erde. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben dort durchschnittlich 655 Baum- und Straucharten pro Hektar – mehr als es einheimische Baumarten in den USA und Kanada zusammen gibt.

Hintergrund: Der Yasuní-Nationalpark liegt im Amazonasgebiet Ecuadors und zählt zu den artenreichsten Regenwaldregionen der Welt. Besonders beeindruckend ist die aussergewöhnliche Vielfalt an Pflanzen, die selbst auf kleinsten Flächen vorkommen.

Eine wissenschaftliche Untersuchung ergab, dass auf einem Hektar Regenwald durchschnittlich rund 655 verschiedene Baum- und Straucharten wachsen. Zum Vergleich: Das entspricht einer Fläche von gerade einmal 100 mal 100 Metern. Damit kommen auf dieser kleinen Fläche mehr Baumarten vor als in den gesamten USA und Kanada zusammen heimisch sind.

Doch nicht nur die Pflanzenwelt ist aussergewöhnlich vielfältig. Eine 2010 veröffentlichte Studie dokumentierte im Nationalpark mindestens 596 Vogelarten, 150 Amphibienarten und 121 Reptilienarten. Auch die Vielfalt an Säugetieren, Fledermäusen und Insekten gehört zu den höchsten weltweit.

Ein wichtiger Grund für diese Artenvielfalt ist das tropische Klima. Ganzjährig warme Temperaturen, hohe Niederschläge und eine geringe jahreszeitliche Schwankung schaffen günstige Lebensbedingungen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Allerdings ist dieses einzigartige Ökosystem bedroht. Insbesondere die Erdölförderung, der Strassenbau und die damit verbundene Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen stellen erhebliche Gefahren für die Artenvielfalt dar. Der Schutz des Yasuní-Nationalparks ist deshalb von grosser Bedeutung für die Erhaltung der globalen Biodiversität.

Quelle:
Bass et al. (2010) – Global Conservation Significance of Ecuador's Yasuní National Park
Fachzeitschrift PLOS ONE

Samstag, 19. April 2025

Wie viele Tier- und Pflanzenarten sind weltweit vom Aussterben bedroht?

Rund 28 Prozent der von der Weltnaturschutzunion IUCN untersuchten Arten gelten als vom Aussterben bedroht. Das sind weltweit mehr als 49.500 Tier-, Pflanzen- und andere Arten.

Hintergrund: Die Artenvielfalt unserer Erde ist zunehmend bedroht. Laut der Weltnaturschutzunion IUCN stehen mittlerweile mehr als 49.500 Arten auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Das entspricht rund 28 Prozent der insgesamt mehr als 175.900 untersuchten Arten.

Besonders kritisch ist die Situation bei bestimmten Tier- und Pflanzengruppen. So gelten etwa 41 Prozent der Amphibien, 44 Prozent der riffbildenden Korallen und 38 Prozent der Baumarten als bedroht. Bei den Säugetieren liegt dieser Anteil bei rund 26 Prozent.

Zu den wichtigsten Ursachen für den Rückgang der Artenvielfalt gehören die Zerstörung natürlicher Lebensräume, der Klimawandel, Umweltverschmutzung, Übernutzung und die Ausbreitung invasiver Arten. Besonders gefährdet sind Arten, die auf spezielle Lebensräume angewiesen sind oder sich nur langsam an Umweltveränderungen anpassen können.

Allerdings bedeutet die Zahl von 28 Prozent nicht, dass tatsächlich mehr als ein Viertel aller weltweit existierenden Arten bedroht ist. Die IUCN hat bislang nur einen Teil der bekannten Arten untersucht. Zudem werden gefährdete Arten bei der Auswahl der untersuchten Arten teilweise bevorzugt berücksichtigt.

Die tatsächliche weltweite Gefährdungsquote lässt sich deshalb noch nicht zuverlässig bestimmen. Klar ist jedoch, dass zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ohne wirksame Schutzmassnahmen langfristig verschwinden könnten.

Quelle:
IUCN Red List (2026) – Background & History

Sonntag, 6. Oktober 2024

Was ist das stärkste Tier der Welt? Die unglaubliche Kraft der Hornmilbe

Die winzige Hornmilbe Archegozetes longisetosus gehört zu den stärksten Tieren der Welt im Verhältnis zu ihrer Körpergrösse. Sie kann sich mit einer Kraft festhalten, die dem 1.180-Fachen ihres eigenen Körpergewichts entspricht.

Hintergrund: Das stärkste Tier der Welt ist gemessen an seiner Körpergrösse weder ein Elefant noch ein Gorilla, sondern eine winzige Hornmilbe. Die Art Archegozetes longisetosus wird weniger als einen Millimeter gross und gehört zu den Spinnentieren.

Forscher der Universität Tübingen entdeckten 2007, dass sich die Milbe mit ihren kräftigen Krallen aussergewöhnlich gut an Oberflächen festhalten kann. Auf einem rauen Untergrund widerstand sie Kräften, die dem 1.180-Fachen ihres eigenen Körpergewichts entsprechen.

Übertragen auf einen 70 Kilogramm schweren Menschen wäre das eine Kraft, die dem Gewicht von rund 82,6 Tonnen entspricht. Allerdings bedeutet dies nicht, dass die Milbe tatsächlich ein solches Gewicht tragen oder heben kann.

Die tropische Hornmilbe lebt im Boden und ernährt sich von zersetzendem organischem Material. Ihre kräftigen Krallen helfen ihr vermutlich dabei, sich durch ihren Lebensraum zu bewegen und Hindernisse zu überwinden.

Quelle:
Heethoff & Koerner (2007) – Small but powerful: the oribatid mite Archegozetes longisetosus produces disproportionately high forces
Journal of Experimental Biology

Freitag, 3. Mai 2019

Geben Kühe mit Namen wirklich mehr Milch?

Auf britischen Milchviehbetrieben, auf denen Kühe beim Namen genannt wurden, lag die jährliche Milchleistung in einer Studie durchschnittlich 258 Liter höher.

Hintergrund: Eine Studie der Newcastle University untersuchte 516 britische Milchviehbetriebe und die Beziehung zwischen Landwirten und ihren Kühen. Dabei zeigte sich ein überraschender Zusammenhang: Auf Betrieben, auf denen die Kühe mit Namen angesprochen wurden, lag die Milchleistung durchschnittlich 258 Liter pro Jahr höher.

Die Forschenden vermuteten, dass nicht der Name selbst entscheidend ist. Vielmehr könnte er ein Zeichen dafür sein, dass die Tiere stärker als Individuen wahrgenommen und persönlicher betreut werden. Frühere Forschung hatte bereits gezeigt, dass Angst und negative Erfahrungen mit Menschen das Verhalten und die Produktivität von Rindern beeinflussen können.

Wichtig ist allerdings: Die Untersuchung zeigte einen Zusammenhang, keinen eindeutigen Ursache-Wirkungs-Effekt. Man kann also nicht einfach einer Kuh einen Namen geben und dadurch automatisch mehr Milch erwarten. Die Autoren selbst betonten, dass der Zusammenhang zwischen individueller Betreuung und höherer Milchleistung weiter untersucht werden sollte.

Quelle:
Bertenshaw & Rowlinson (2009): „Exploring Stock Managers' Perceptions of the Human–Animal Relationship on Dairy Farms and an Association with Milk Production“ – Newcastle University

Mittwoch, 19. September 2018

Können Schweine wirklich nicht in den Himmel schauen?

Schweine können den Himmel durchaus sehen. Wegen ihres kurzen, wenig beweglichen Halses können sie im normalen Stand jedoch kaum direkt senkrecht nach oben schauen.

Hintergrund: Die Behauptung, Schweine könnten aus anatomischen Gründen niemals den Himmel sehen, ist zu extrem. Richtig ist, dass ihre Anatomie den Blick nach oben deutlich einschränkt.

Schweine besitzen einen kurzen und kräftigen Hals, der besonders gut für das Wühlen und die Nahrungssuche am Boden geeignet ist. Dadurch können sie ihren Kopf nicht so weit nach hinten neigen wie beispielsweise Menschen und im normalen Stand nur schwer direkt über sich schauen.

Den Himmel können Schweine trotzdem sehen – etwa schräg nach oben oder indem sie ihre Körperhaltung verändern. Legt sich ein Schwein beispielsweise auf die Seite oder den Rücken, fällt die vermeintliche anatomische Unmöglichkeit ohnehin weg.

Quelle:
BBC Bitesize – Can pigs look up and other super strange animal facts

Montag, 18. Juni 2018

Stecken Strausse wirklich den Kopf in den Sand?

Strausse stecken bei Gefahr nicht den Kopf in den Sand. Der bekannte „Vogel-Strauss-Effekt“ beruht auf einem Mythos.

Hintergrund: Das Bild vom Strauss, der bei Gefahr seinen Kopf im Sand versteckt, ist so bekannt, dass daraus sogar die Redewendung „den Kopf in den Sand stecken“ entstanden ist. Tatsächlich verhalten sich Strausse aber anders.

Können sie vor einer Gefahr nicht davonlaufen, legen sie sich flach auf den Boden und strecken Kopf und Hals nach vorne. Da Kopf und Hals aus einiger Entfernung mit dem Boden zu verschmelzen scheinen, kann der Eindruck entstehen, der Vogel habe seinen Kopf eingegraben.

Auch bei der Brutpflege kommt der Kopf dem Boden sehr nahe: Strausse legen ihre Eier in eine flache Mulde und kümmern sich dort um die Eier. Einen Kopf im Sand zu vergraben, wäre dagegen wenig sinnvoll – der Strauss könnte weder richtig sehen noch atmen.

Die oft im Internet verbreitete Behauptung, Wissenschaftler hätten 200'000 Strausse über mehrere Jahre beobachtet und dabei keinen einzigen beim Kopfvergraben gesehen, lässt sich nicht auf eine belastbare wissenschaftliche Studie zurückführen. Der Mythos selbst ist jedoch eindeutig falsch.

Quelle:
San Diego Zoo Wildlife Alliance – Ostrich

Mittwoch, 20. April 2016

Warum so viele Koalas durch Autos, Hunde und Krankheiten sterben

In Südost-Queensland gehören Verkehrsunfälle, Hundeangriffe und Krankheiten wie Chlamydien zu den führenden Todesursachen bei Koalas.

Hintergrund: Für Koalas kann das Leben in besiedelten Gebieten besonders gefährlich sein. Auf der Suche nach Nahrung, neuen Revieren oder Partnern müssen sie immer wieder Strassen überqueren. Zusammenstösse mit Fahrzeugen und Angriffe durch Hunde gehören deshalb in Südost-Queensland zu den wichtigsten direkten Todesursachen.

Hinzu kommen Krankheiten. Besonders bedeutsam sind Chlamydieninfektionen, die unter anderem Augenentzündungen, Probleme der Harn- und Geschlechtsorgane sowie Unfruchtbarkeit verursachen und in schweren Fällen zum Tod führen können.

Hinter vielen dieser Probleme steht zusätzlich der Verlust und die Zerschneidung des Lebensraums. Wenn Eukalyptuswälder verschwinden oder voneinander getrennt werden, müssen Koalas häufiger am Boden unterwegs sein und geraten dadurch eher in Kontakt mit Strassen, Hunden und menschlichen Siedlungen.

Quelle:
Queensland Government – Developing a new South East Queensland Koala Conservation Strategy 2026–2036

Donnerstag, 2. April 2015

Was passiert, wenn ein Skorpion mit Alkohol in Kontakt kommt?

Direkter Kontakt mit hochprozentigem Alkohol kann Skorpione stark schädigen und bei längerer Einwirkung auch töten.

Hintergrund: Rund um Skorpione und Alkohol kursieren einige spektakuläre Geschichten. Besonders häufig wird behauptet, schon wenige Tropfen würden zu heftigen Krämpfen führen oder den Skorpion sogar dazu bringen, sich selbst zu stechen. Für solche konkreten Reaktionen gibt es allerdings keine gute wissenschaftliche Grundlage.

Klar ist dagegen, dass hochkonzentrierter Alkohol für Skorpione schädlich ist. Ethanol entzieht Gewebe Wasser und verändert Zellstrukturen. In wissenschaftlichen Untersuchungen werden tote Skorpione deshalb häufig in Alkohol konserviert. So wurden beispielsweise bei einer Untersuchung der Skorpionfauna im Iran eingesammelte Exemplare in 70-prozentigem Ethanol aufbewahrt, um sie später bestimmen und untersuchen zu können.

Die Aussage, Skorpione hätten ein ganz besonders empfindliches Nervensystem gegenüber Alkohol, lässt sich dagegen nicht gut belegen. Sicher ist vor allem: Hochprozentiger Alkohol ist für die Tiere keine harmlose Flüssigkeit und kann bei ausreichender Einwirkung tödlich sein.

Quelle:
Dehghani et al. (2017): „Fauna and Geographical Distribution of Scorpions in Ilam Province, South Western Iran“

Mittwoch, 1. April 2015

Wie erzeugt der Pistolenkrebs einen Knall von über 200 Dezibel?

Pistolenkrebse gehören zu den lautesten Tieren im Meer. Die nur wenige Zentimeter grossen Krebse können mit ihrer Schere Knallgeräusche von über 200 Dezibel erzeugen.

Hintergrund: Der Pistolenkrebs – auch Knallkrebs genannt – besitzt eine auffällig grosse Schere, mit der er einen extrem lauten Knall erzeugen kann. Der Ton entsteht allerdings nicht dadurch, dass die beiden Scherenteile direkt aufeinanderschlagen. Beim blitzschnellen Schliessen wird ein Wasserstrahl herausgeschossen, der eine sogenannte Kavitationsblase entstehen lässt. Wenn diese Blase kurz darauf zusammenbricht, entstehen eine starke Druckwelle und der charakteristische Knall.

Bei einigen Pistolenkrebsen wurden dabei Schallpegel von bis zu rund 210 Dezibel unter Wasser gemessen. Solche Dezibelwerte lassen sich allerdings nicht direkt mit Geräuschen an Land vergleichen, da für Schallmessungen unter Wasser eine andere Bezugsgrösse verwendet wird.

Der Zusammenbruch der Blase ist so heftig, dass für einen winzigen Moment sogar ein Lichtblitz entsteht. Forschende konnten daraus ableiten, dass im Inneren der Blase kurzzeitig Temperaturen von mindestens 5'000 Kelvin – rund 4'700 Grad Celsius – auftreten können. Die entstehende Druckwelle nutzt der Krebs unter anderem, um kleine Beutetiere zu betäuben oder zu töten und um sich gegen andere Tiere zu verteidigen.

So beeindruckend der Pistolenkrebs ist: Als lautestes Tier der Welt gilt er nach heutigen Messungen nicht. Zahnwale erreichen noch höhere Schallpegel. Der Pistolenkrebs gehört aber zweifellos zu den erstaunlichsten Lärmmachern im Tierreich.

Quelle:
Lohse, Schmitz & Versluis (2001): „Snapping shrimp make flashing bubbles“ – Nature